Was immer Menschen aus den vielfältigen Kulturen unserer Welt
unterscheidet - was sie besitzen, woran sie glauben, wie sie zusammenleben,
ihre Behausungen, ihre Feste und wohin die Sichel des Mondes an ihrem Himmel
weist - eines gehört zum menschlichen Dasein noch im entlegensten
Winkel der Erde: Geschichten!
Wer weiß, an welchem Feuer auf welchem Kontinent Menschen erstmals
die Langeweile entdeckten und einen Weg zu ihrer Vertreibung fanden. Einen
Weg, der bis in unsere Zeit führt. Indem sie begannen, sich zu unterhalten.
Indem sie ihre Erlebnisse und Erfahrungen reflektierten, ihnen einen Rahmen
gaben, das Spannende, das Lustige, das Lehrreiche oder das Dramatische
daran hervorhoben. Indem sie Reales mit ihrer Fantasie verflochten und
es zur Erbauung der Gemeinschaft weitergaben.
Geschichten und Märchen sind Schatz und Erbe der Menschheit über
alle Grenzen hinweg. Und wir wissen nicht, was uns mehr an ihnen reizt:
das Fremde, Eigenartige, Exotische - oder das Erstaunen darüber, wie ähnlich
manchmal die Anlässe sind, aus denen heraus Menschen lachen oder nachdenken,
sich begeistern oder den Atem anhalten - jenseits aller kulturellen Eigenarten.
Geschichten schaffen Verbindung. Tiefe Weisheit verbirgt sich im Gewand
eines Schelmenstreichs, Götter werden zu Menschen, Bettler zu Genies.
Und - wo Geschichten erzählt und gehört werden, entfalten
Menschen aufs Neue eine ihrer erstaunlichsten Fähigkeiten, eine Gabe,
die in der Medienflut unserer Tage oft wenig Nahrung findet: die Fantasie!
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